15 Jahre ALF

Jubiläum in Zeiten von Pandemie und Rassismus

Im Juni 2020 begann der Prozess gegen Stefan Ernst und Markus Hartmann, die mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke. Kaum fünf Monate sind seit dem rassistischen Anschlag von Hanau vergangen. Opfer, Hinterbliebene und Initiativen kämpfen seitdem für ein Wachhalten der Erinnerung und die Thematisierung rassistischer Gewalt. Die bekannt kurzfristige Aufmerksamkeit als Reaktion auf solche Ereignisse erkennt die Kontinuität rechten Terrors und rassistischer Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik kaum an. Und doch reicht diese von den Wehrsportgruppen der 1970er Jahre, über die rassistische Massengewalt der 1990er Jahre, den NSU-Komplex bis hin zu den Anschlägen von Halle und Hanau. Hinzu kommt der mörderische, rassistische Alltag, der oft vergessen wird, aber Unzählige Tag für Tag mit Ausgrenzung und Gewalt konfrontiert. Diesen Zuständen wird allzu oft mit Verharmlosung und Individualisierung der Taten begegnet, während rechte Strukturen, die diese ermöglichen, ausgeblendet bleiben. Wie der NSU-Komplex oder der Mord an Walter Lübcke zeigen, braucht es antifaschistische Recherchen, linke Journalist*innen, Initiativen und Politiker*innen, um hier Aufklärung zu leisten. Gleiches gilt für die Verstrickungen von Polizei und Verfassungsschutz und deren institutionellen Rassismus. Wenngleich rechter Terror und rassistische Gewalt von einer organisierten rechten Szene getragen und exekutiert werden, sind sie doch der gewalttätigste Ausdruck einer strukturell rassistischen, antisemitischen und nationalistischen Gesellschaft. Die Thematisierung des (institutionellen) Rassismus (der Polizei) nach dem Mord an George Floyd sind daher so notwendig, wie überfällig.

Auch »Hygiene-Demos« sind vor diesem Hintergrund ein weiterer Ausdruck rassistischer und antisemitischer (Verschwörungs-)Ideologien, gemischt mit dem Schrei nach individualistischem Liberalismus, dem Denken in Eliten und der naiven Leugnung der Pandemie. Ohne Frage sind Maßnahmen zum Schutz vor einem potentiell tödlichen Virus unumgänglich, gerade aus einer solidarischen Perspektive. Dass diese von einem kapitalistischen Nationalstaat durchgesetzt werden, ist dagegen ein erstmal unumgängliches Übel. Umso wichtiger ist es daher, autoritäre Maßnahmen kritisch zu begleiten und dort zu bekämpfen, wo sie zweckmäßig unnötig oder willkürlich sind und für andere Zwecke ausgenutzt werden. Zeitgleich ist die Pandemie auch die Stunde der Stilisierung weißer Männer als Krisenmanager, während Frauen auf Care-Arbeit und Reproduktionsaufgaben reduziert werden. In der Pandemie werden Zustand und Struktur einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft also umso offensichtlicher. Prekarisierte und exkludierte Teile der Bevölkerung, wie Arbeiter*innen in Schlachthöfen, Geflüchtete in Sammelunterkünften oder People of Colour in den USA ohne Zugang zum Gesundheitssystem, trifft die Gefahr des Virus besonders. Privatisierte Gesundheitssysteme stoßen an ihre Grenzen, nicht nur hier sind Arbeitsbedingungen prekär. Renationalisierung und Grenzschließungen bedeuten für Migrant*innen Perspektivlosigkeit und Tod durch das Grenzregime der EU. Und schließlich ist da noch die Klimakrise, deren Lösung durch marktradikale Rettungsmaßnahmen wieder einmal hintenangestellt wird. Es bleibt die Erkenntnis, dass Kapitalismus tötet und sich nur ohne ihn Perspektiven einer solidarischen Gesellschaft eröffnen.

In alle dem ist die Antifaschistische Linke Fürth am 05. Juli 2020 15 Jahre alt geworden. Statt ein rauschendes Fest zu veranstalten (nur verschoben!), möchten wir die obige Skizze der Zustände nutzen, um festzuhalten, dass wir auch nach 15 Jahren noch für einen offensiven Antifaschismus und radikal-linke Perspektiven stehen! Für uns heißt das, Bündnisse bilden und mit ihnen arbeiten. Deshalb ist dies auch der Zeitpunkt, uns beim Fürther Bündnis gegen Rechts, dem Sozialforum und der Ultraszene der SpVgg Fürth für die gemeinsame Arbeit und Zeit zu bedanken. Gleiches gilt für das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg, die radikale/interventionistische Linke Nürnberg und alle anderen Gruppen und Menschen, mit denen wir in den letzten 15 Jahren gemeinsame Sache gemacht haben. Danke auch an die Orte linker Politik und Kultur, an denen wir unsere Abende (und Nächte) verbringen: Den Infoladen Benario, die Desi, die Schwarze Katze, das P31, das Arsch & Friedrich, den Musik- und den Kunstverein. Einen besonderen Dank an Stradevia 907 für ein fantastisches Geschenk, das sie uns gemacht haben – ohne, dass wir es erwartet oder sie an irgendwas erinnert hätten. Einfach weil sie eine solidarische Crew antifaschistischer Ultras sind!

Und abschließend: Auf weitere 15 Jahre Antifaschistische Linke Fürth! Antifaschistische Organisierung, Kritik und Praxis bleiben notwendig. Für emanzipatorische Perspektiven jenseits von Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat! 

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